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Über mich Seite schreiben: Eine Schritt-für-Schritt Anleitung für Solopreneure

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Der Moment, in dem ich nicht mehr wegschauen konnte

Wie oft hast du schon einen Satz über dich selbst geschrieben, ihn sofort wieder gelöscht und von vorne angefangen? Bei meiner eigenen Über-mich-Seite habe ich diesen Reset öfter gemacht, als ich zugeben möchte. Vor einigen Jahren lief mein Yoga- und Atem-Coaching hier in München komplett über Mundpropaganda – bis eine Lokalzeitung anfragte, ob sie auf meine Website verlinken dürfe. Typisch Solopreneurin: Ich hatte keine. Also baute ich an einem Wochenende hektisch eine Seite auf Jimdo zusammen, und dann saß ich vor dem leeren Feld für die Über-mich-Seite und wusste: Website-Texte über andere Menschen schreiben, das kann ich. Über mich selbst schreiben, ohne wie eine überdrehte Marketing-Tante zu klingen? Keine Ahnung.

Drei Monate lang habe ich diese Seite angestarrt. Vierzehn Entwürfe sammelten sich in einem Google Doc – von der spirituellen Version, die mir zu abgehoben klang, bis zur Version mit lauter Fakten, die wie ein Beipackzettel wirkte. Zwei Schreibkurse habe ich angefangen und beide nach der zweiten Einheit wieder abgebrochen, weil sie sich anfühlten wie Hausaufgaben, für die abends einfach keine Kraft mehr da war. Und dann kam die Idee, die mich fast erleichtert hat: Ich ließ ChatGPT einen kompletten Text über mich schreiben und kopierte ihn unverändert auf die Website. Er klang glatt. Er klang professionell. Er klang auch nach niemandem, den man kennenlernen möchte – nach zwei Tagen habe ich ihn wieder runtergenommen.

Website Texte überarbeiten: Notizbuch mit handschriftlichen Korrektionen für die Über-mich-Seite

Es geht nicht um dich, zumindest nicht zuerst

Das klingt paradox für eine Seite mit deinem Gesicht drauf, aber genau so ist es: Deine Über-mich-Seite sollte in erster Linie von deinen Kunden handeln, nicht von dir. Meine erste Version klang ungefähr so: „Ich unterrichte seit Jahren Hatha Yoga und begleite Menschen beim Atmen." Technisch korrekt, aber gähnend langweilig, weil sie nicht erklärt, was die Leserin davon hat.

Menschen landen auf dieser Unterseite, weil sie ein Problem haben und jemanden suchen, der es versteht. Ihr Lebenslauf-Radar ist erst mal aus. Sie wollen wissen, ob du ihnen helfen kannst, endlich wieder ruhig durchzuatmen – nicht, wie viele Zertifikate an deiner Wand hängen. Genau darum geht es auch bei der Wunschkunden-Ansprache: Du sprichst die Sprache deiner Leserin, nicht die deines Ausbildungsordners.

Was mir dabei geholfen hat, war das Prinzip Vorteile statt Merkmale – nicht aufzählen, was du kannst, sondern erzählen, was sich für die Leserin danach verändert. Kleiner Unterschied, große Wirkung.

Meine Fünf-Schritte-Struktur für die Über-mich-Seite

Damit du nicht monatelang wie ich verzweifelst, habe ich mein Chaos irgendwann in eine Struktur gegossen, die ich seitdem für jede neue Version meiner Seite benutze. Sie hat mit Storytelling zu tun, aber nicht mit Drama – eher mit der Frage, wie du in fünf Absätzen eine Verbindung aufbaust, statt einen Lebenslauf abzuspulen.

Das Ich-kenne-das-Gefühl herstellen

Fang nicht mit deinem Namen an. Fang mit dem Moment an, in dem deine Kundin gerade steckt. Mein allererster Satz lautete: „Mein Name ist Anja und ich liebe Yoga." Heute beschreibe ich stattdessen, wie es sich anfühlt, wenn man vor lauter Terminen vergisst durchzuatmen. Wenn jemand den ersten Satz liest und denkt, genau so geht es mir auch, hast du sie schon halb gewonnen. Im Kern ist das die klassische Problem-Agitation-Lösung-Struktur aus dem Marketing, auch wenn ich beim Schreiben nie in diesen Begriffen gedacht habe.

Was verändert sich für sie?

Hier erklärst du, was passiert, wenn jemand mit dir arbeitet – nicht die Technik dahinter, sondern das Gefühl danach. Klarheit? Schmerzfreiheit? Ein tieferes Durchatmen? Halt es einfach. Wir Solopreneure neigen dazu, uns in Fachbegriffen zu verstecken, weil das professioneller wirken soll. Tut es nicht. Es wirkt distanziert.

Warum ausgerechnet du?

Jetzt darfst du kurz über dich sprechen – aber nur in Bezug auf genau dieses Problem. Ich erzähle hier oft, wie ich selbst jahrelang in einem stressigen Bürojob saß und vergessen hatte, wie sich lockere Schultern überhaupt anfühlen. Das schafft Vertrauen, weil es zeigt, dass ich den Schlamassel von innen kenne, nicht nur aus der Theorie. Das ist im Übrigen auch eine Frage der eigenen Stimme – nicht der Version von dir, die du dir fürs Netzwerktreffen zurechtlegst, sondern der echten.

Meine Freundin Verena, Grafikdesignerin hier in München, hat mir neulich genau diesen Absatz aus der Hand genommen und gefragt, warum ich überhaupt in Schritten denke, wenn eine Seite doch zuerst über das Bild wirkt. Sie tickt komplett anders als ich, rein visuell – und genau deshalb frage ich sie trotzdem jedes Mal, bevor ich etwas veröffentliche.

Über mich Seite veröffentlichen: Hand an der Maus kurz vor dem Klick auf Speichern

Ein bisschen Beweis schadet nicht

Zertifikate, Jahre an Erfahrung oder eine ehrliche Zahl an zufriedenen Kunden geben der Seite Bodenhaftung – ein, zwei Sätze reichen, niemand braucht eine Liste jedes Wochenendseminars. Übrigens: Eine Über-mich-Seite für Solo-Selbstständige liegt meistens zwischen 300 und 600 Wörtern – kürzer baut kaum Vertrauen auf, länger liest kaum noch jemand zu Ende. Kundenstimmen gehören ebenfalls in diese Kategorie, auch wenn das Wie eine eigene Geschichte ist.

Sag ihnen, was als Nächstes passiert

Lass die Leserin am Ende nicht einfach so stehen. Ein klarer Call-to-Action ist keine Aufschwatzerei, sondern eine Einladung: Kennenlerngespräch buchen, Newsletter abonnieren, was auch immer der nächste sinnvolle Schritt ist. Bei mir ist es meistens der Hinweis auf ein kurzes Telefonat.

Und was, wenn du wirklich auf "Veröffentlichen" klickst?

An dem Abend, als ich den Text endlich hochgeladen habe, bin ich erst mal zum Viktualienmarkt gelaufen, nur um dem Bildschirm für zehn Minuten zu entkommen und einen Kaffee zu holen. Ich hatte Angst, dass jemand denkt, wer glaubt sie eigentlich, wer sie ist. Passiert ist: nichts Schlimmes. Fünf Wochen später kam die Anfrage, die mir bis heute im Kopf geblieben ist – eine neue Kundin schrieb, sie habe sich beim Lesen schon wie eine halbe Bekannte gefühlt, bevor wir überhaupt telefoniert hatten. Die Seite hatte die Arbeit gemacht, die ich vorher immer im Erstgespräch machen musste.

Bevor du selbst auf den Knopf drückst, lass am besten noch jemanden drüberschauen, siehe dazu auch Webseitentexte selbst Korrektur lesen. Ich hatte in meinem ersten Entwurf meine eigene Telefonnummer falsch getippt, weil ich so nervös war – das wäre peinlich geworden. Den größten Teil dieser Seite habe ich abends geschrieben, wenn mein Kind schon schlief und der Haushalt kurz warten musste; wie ich mir diesen Workflow zwischen Coaching und Kind überhaupt einteile, habe ich an anderer Stelle aufgeschrieben.

Schreib nicht perfekt, schreib echt

Wenn du gerade selbst an deiner Seite sitzt: Überdenke nicht jede Überschrift zehnmal. Das ist ein eigenes Kapitel für sich – genug Stoff für einen ganzen Nachmittag mit Vorlagen und wieder verworfenen Versionen. Dein Text muss nicht perfekt sein, er muss authentisch sein. Schreib ihn so, als würdest du es einer Freundin bei einem Kaffee erklären, nicht einem Prüfungsausschuss.

Vermeide Floskeln, die sich für dich nicht echt anfühlen, und schreib stattdessen konkret: „Ich helfe dir, morgens ohne Nackenschmerzen aufzustehen" versteht jede Leserin sofort. Das hat auch viel mit Verständlichkeit zu tun – kurze Sätze schlagen jede kunstvolle Formulierung, wenn es darum geht, überhaupt gelesen zu werden.

Meine Leserin Lena, Ernährungsberaterin aus Hamburg, hat mir neulich erzählt, dass sie ihre sieben Seiten lange Angebotsseite auf zwei gekürzt hat – ihr bisher größter Fortschritt, und ein Beweis dafür, wie viel Luft in den meisten Website-Texten steckt. Auch das ist noch mal ein eigenes Thema.

Und ja, irgendwann kommt auch die Frage, wie dich Google überhaupt findet, wenn jemand in deiner Stadt nach Hilfe sucht – aber das sprengt hier den Rahmen.

Du schaffst das. Und wenn der Cursor heute Abend wieder blinkt: Mach dir erst einen Tee, dann schreib den ersten ehrlichen Satz, der dir einfällt – der Rest kommt beim Überarbeiten.

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