
Ich kneife die Augen zusammen, weil das Morgenlicht schräg auf den Bildschirm fällt, und stiere auf einen Satz mit gefühlt vierzig Wörtern, den ich gerade für meine Website-Texte getippt habe. Rot markiert, wieder mal. Die WORTLIGA-Analyse zeigt mir schon beim ersten Blick, wie weit dieser Absatz von echter Verständlichkeit entfernt ist, und wie sehr ich als Solopreneurin ohne Marketing-Abteilung dazu neige, kompliziert zu klingen, wenn ich eigentlich nur verstanden werden will.
Was WORTLIGA mit meinen Website-Texten macht
WORTLIGA ist ein Online-Tool, das Texte nach dem Hamburger Verständlichkeitsmodell prüft – einem System, das unter anderem danach schaut, wie kurz, klar und lebendig ein Text geschrieben ist. Klingt trocken, ist es beim ersten Öffnen der Analyse-Oberfläche aber überhaupt nicht: Die Rückmeldung kommt sofort, in Farbe, gnadenlos ehrlich.
Seit inzwischen drei Jahren jage ich jeden Text (vom Newsletter bis zur kleinsten Produktbeschreibung) durch so ein Analyse-Tool, bevor er online geht. Eine Faustregel hat sich dabei als besonders zuverlässig herausgestellt: Deutsche Website-Texte gelten als gut lesbar, wenn nicht mehr als jeder dritte Satz über 20 Wörter lang ist. Klingt nach einer kleinen Stellschraube, verändert aber, wie ein Text beim Lesen wirkt.

Zu komplizierte Texte erkennen
Die Analyse markiert vor allem drei Dinge: Passivsätze, Bandwurmsätze und Substantivierungen. Dazu kommen die Füllwörter – kleine Wörter wie „eigentlich", „gewissermaßen" oder „man", die sich beim Schreiben sicher anfühlen und beim Lesen wie Sand im Getriebe wirken. Ein Füllwort zu erkennen ist am Anfang gar nicht so leicht, weil man den eigenen Text ja schon zwanzigmal gelesen hat und blind dafür geworden ist.
Bevor ich auf das Tool gestoßen bin, hatte ich mir vier YouTube-Videos über Schreibblockaden angeschaut, und danach nicht einen einzigen Satz getippt. Motivations-Content hilft mir offensichtlich nicht weiter, wenn das eigentliche Problem im Satzbau steckt, nicht im Kopf. Falls du gerade erst mit deiner Website anfängst, lohnt sich vorher ein Blick in eine Blogartikel schreiben Vorlage, damit überhaupt erst ein Rohtext entsteht, den man danach glattziehen kann.
So viel Zeit spart ein Analyse-Tool
Früher habe ich für einen Blogartikel im Schnitt vier Stunden gebraucht, weil ich mich in jedem zweiten Satz verheddert habe. Mittlerweile jage ich den ersten Entwurf durch die Analyse, sehe sofort, wo die Knoten sitzen, und bin in eineinhalb Stunden fertig. Das ist Zeit, die ich mit meinem Sohn verbringen kann, oder – ganz ohne schlechtes Gewissen – mit einer Runde am Flaucher, um den Kopf freizubekommen, bevor ich den Text noch mal von vorne lese.
Eine Freundin von mir verkauft handgemachte Keramik auf der Auer Dult, und wenn sie mir ihre Produktbeschreibungen zeigt, erkenne ich sofort dieselbe Falle: Sie beschreibt die Glasur so, wie sie als Töpferin darüber denkt, nicht so, wie eine Kundin sie beim Scrollen liest. Genau an diesem Punkt bringt ein Verständlichkeits-Check mehr als noch mehr Fachwissen über das eigene Handwerk.
Als ich meine überarbeitete Seite ein paar Tage später auf dem Handy geöffnet habe, ist mir beim Scrollen etwas aufgefallen: Der Text hat sich angefühlt wie ein echtes Gespräch, nicht wie eine Broschüre. Kein Ruckeln beim Lesen, kein Satz, an dem ich hängen geblieben bin. Genau dieses Gefühl ist der eigentliche Beweis, nicht die Zahl im Analyse-Fenster.

Wenn Verständlichkeit zur Falle wird
Es gibt aber auch die andere Seite, die ich lernen musste: Man kann es mit der Optimierung übertreiben. Wer jede einzelne gelbe Markierung unbedingt wegbekommen will, landet schnell bei einem Text, der zwar „perfekt" verständlich ist (zumindest laut Tool), aber auch wie eine Ansage am Bahnsteig klingt.
Ein Beispiel: Ich wollte unbedingt das Wort „Atemraum" behalten, weil es für meine Arbeit als Yoga-Lehrerin zentral ist. Das Tool markierte es als schwer verständlich. Ich habe es trotzdem stehen lassen – das Tool ist mein Berater, nicht mein Chef. Wenn ein Begriff für mein Gefühl wichtig ist, darf er bleiben, auch wenn die Ampel gelb blinkt.
Wichtig ist vor allem, die eigenen Wunschkundinnen anzusprechen und eine Verbindung aufzubauen, nicht jede Analyse auf null Markierungen zu drücken. Ein kleiner Makel im Text kann manchmal genau die Persönlichkeit zeigen, die überzeugt.
Verständlichkeit für alle Website-Bereiche
Der gleiche Check hilft nicht nur bei Blogartikeln. Auf der Über-mich-Seite sorgt er dafür, dass die eigene Geschichte beim Lesen trägt, statt sich in Nebensätzen zu verlieren, und auch fürs Storytelling ist er Gold wert, weil eine berührende Geschichte nichts bringt, wenn der Satzbau sie erstickt.
Bei Kundenstimmen macht Verständlichkeit den Unterschied zwischen einer Empfehlung, die nach echtem Menschen klingt, und einem Textblock, den niemand zu Ende liest. Eine klare Überschrift lässt sich außerdem in einem Atemzug lesen, und auf der Angebotsseite entscheidet oft genau diese Klarheit, ob jemand bis zum Buchungsbutton kommt oder vorher abspringt.
Wer nach der PAS-Methode schreibt, merkt außerdem schnell: Ein klarer Satz macht jeden Schritt – Problem, Verstärkung, Lösung – leichter nachvollziehbar, und wer Vorteile statt bloßer Merkmale in den Vordergrund stellen will, stolpert beim Kürzen automatisch über die Merkmalslisten, die ohnehin kaum jemand liest. Nebenbei freut sich auch Google über kurze, klare Sätze, auch wenn das eher ein netter Nebeneffekt ist als der Hauptgrund, warum ich das mache. Wichtig ist mir dabei nur eins: Bei allem Kürzen darf die eigene Stimme nicht verloren gehen.

Mein Fazit: Verständlichkeit ist eine Entscheidung, kein Talent
Die Textanalyse ist inzwischen fester Bestandteil meines Workflows, egal ob ich die Über-mich-Seite zum wiederholten Mal überarbeite oder an einem neuen Workshop-Angebot feile. Der Check gibt mir die Sicherheit, dass ich nicht an meinen Leserinnen vorbeischreibe. Wenn du gerade an deinen Call-to-Action-Beispielen feilst und dich fragst, wie du Menschen dazu bringst, überhaupt auf einen Button zu klicken: Oft ist die Antwort einfach, dass sie deinen Text vorher verstehen müssen.
Also, falls du das nächste Mal vor deinem Bildschirm sitzt und dich fragst, warum sich dein Text so hölzern liest: Kopier ihn in ein Analyse-Tool, streich die Füllwörter, löse die Passivsätze auf – aber lass genug von deiner eigenen Sprache stehen, dass man dich beim Lesen erkennt. Die Regel mit dem dritten Satz ist ein guter Anfang. Der Rest ist Übung.