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Fragen für das Erstgespräch formulieren: So bereitest du Kunden vor

Zwei Interessentinnen, ein einziger Nachmittag, zwei vollständig ausgefüllte Formulare – und beide wussten beim ersten Zoom-Call bereits genau, worüber wir sprechen würden. Das war neu. Monatelang hatte ich Erstgespräche geführt, bei denen allein die ersten zehn Minuten draufgingen, nur um herauszufinden, was die Person überhaupt sucht. An einem Dienstag saß ich zum ersten Mal zwei so vorbereitete Gespräche hintereinander und merkte: Mein Kontaktformular übernimmt inzwischen einen Teil der Kundenvorbereitung, bevor das Erstgespräch überhaupt beginnt.

Mein Browser hat in dieser Woche gefühlt zehn Tabs offen – der Entwurf für die Über-mich-Seite, ein Vergleich verschiedener Call-to-Action-Formulierungen, eine Liste mit Kundenstimmen, die noch eingebaut werden müssen, dazu die Frage, ob meine Angebotsseite überhaupt zur richtigen Zielgruppe spricht. Website-Texte für Coaches sind eben kein einzelnes Projekt, sondern zehn kleine Baustellen gleichzeitig. Heute geht es nur um eine davon: die Fragen, mit denen sich Interessentinnen schon vor dem Erstgespräch selbst sortieren – unabhängig davon, ob am Ende eine Buchung über meine Terminseite steht oder nicht.

Die Über-mich-Seite zum Beispiel hatte ich schon einmal komplett nach einer Pinterest-Vorlage für Lifestyle-Bloggerinnen umgeschrieben. Das Ergebnis klang wie jede zweite Yoga-Influencerin im Internet, nur ohne deren Reichweite. Das hatte mit dem eigentlichen Problem unvorbereiteter Erstgespräche rein gar nichts zu tun.

Das Kontaktformular als Filter, nicht als Hürde

Lange hatte ich Angst, an meinem Formular in Jimdo überhaupt etwas zu ändern. Jede zusätzliche Frage fühlte sich an wie eine zusätzliche Hürde, an der jemand abspringen könnte. Mein erster Entwurf bestand deshalb aus einem einzigen Satz: 'Wie kann ich dir helfen?' Das Ergebnis waren Mails wie 'Ich habe Rücken, wann hast du Zeit?' – ohne jede Tiefe, ohne jede Vorbereitung.

Die Datenschutz-Grundverordnung verlangt von uns Datensparsamkeit – rechtlich reicht im Kontaktformular eine einzige Pflichtangabe, meistens die E-Mail-Adresse. Datensparsamkeit heißt aber nicht Fragensparsamkeit. Nach der Schuhgröße darf ich nicht fragen. Nach der Motivation schon.

Nahaufnahme eines Laptop-Bildschirms, auf dem ein Kontaktformular für die Erstgespräch-Optimierung einer Coaching-Website bearbeitet wird.

Was macht eine Frage zum Filter?

Ein Leser aus Stuttgart, selbst Physiotherapeut mit eigener Praxis, hat mir mal geschrieben, dass ihn Geschichten auf Websites weniger interessieren als eine Vorlage, die er eins zu eins für seine eigene Praxis übernehmen kann. Genau darum geht es jetzt: um eine Vorlage, keine Anekdote.

Drei Fragen haben sich bei mir durchgesetzt, weil jede einzelne eine klare Entscheidung ermöglicht, noch bevor das Gespräch überhaupt beginnt.

Drei Fragen mit eingebauter Entscheidungsregel

Die erste lautet: 'Was hast du bereits versucht, um dein Problem zu lösen?' Antwortet jemand mit 'nichts', plane ich im Erstgespräch mehr Grundlagenarbeit ein. Stehen dagegen schon zwei oder drei andere Ansätze in der Antwort, weiß ich: Diese Person meint es ernst und braucht keine Einführung, sondern konkrete nächste Schritte.

Zweitens zeigt die Frage 'Warum ist jetzt der richtige Zeitpunkt für dich?' die Dringlichkeit. Eine vage oder ausweichende Antwort ist für mich inzwischen ein verlässlicheres Warnsignal für ein abgesagtes Gespräch als jede Tonlage am Telefon. Eine konkrete Antwort dagegen korreliert bei mir ziemlich genau mit echtem Durchhaltevermögen später im Coaching.

Drittens zeigt 'Was wäre das wichtigste Ergebnis unserer Zusammenarbeit für dich?' sofort, ob die Erwartung zu meinem Angebot passt. Wünscht sich jemand etwas, das ich gar nicht leisten kann oder will, kläre ich das lieber vor dem Gespräch per Mail, als es mitten im Call klären zu müssen.

Je nach Angebot lohnt sich noch eine vierte, spezifischere Frage. Wer zum Beispiel selbst ein Yoga Retreat beschreiben und bewerben will, kann hier schon nach Vorlieben zur Unterkunft fragen – im klassischen Erstgespräch bleibt der Fokus aber auf dem Warum, nicht auf organisatorischen Details.

Ein Notizbuch mit handgeschriebenen Fragen und Korrektionen als Vorbereitung für Website-Texte im Coaching.

So nutzt du die Antworten im Erstgespräch selbst

Im Gespräch selbst liegen mir die Antworten aus dem Formular vor, bevor ich auflege oder den Zoom-Link öffne. Ich muss nicht bei null anfangen, sondern kann direkt sagen: 'Du hast geschrieben, dass du Atemübungen schon probiert hast, aber nie drangeblieben bist – lass uns genau da ansetzen.' Das wirkt professioneller, weil die Person merkt: Die Nachricht wurde wirklich gelesen, nicht nur abgehakt.

Wer seine Methoden auf der eigenen Website noch nicht klar genug beschreibt, bekommt an dieser Stelle oft nur vage Antworten, weil die Interessentin gar nicht weiß, wonach sie überhaupt fragen soll. Ein Blick darauf, wie man Atemübungen auf der Website beschreiben kann, ohne dass es esoterisch klingt, hilft dann oft mehr als eine vierte Formularfrage.

Meine Freundin Sabine, Steuerberaterin und notorisch unbestechlich bei allem, was nach Marketing-Floskel klingt, hat bei einem frühen Entwurf dieser Fragen sofort gefragt: 'Aber was bringt dir das jetzt konkret?' Die ehrliche Antwort war damals: noch nichts – weil ich die Antworten gar nicht systematisch genutzt habe. Das hat sich geändert.

Zwei bis drei Fragen reichen – mehr wird zur Hürde

Wird das Formular zu lang, springen Leute ab, egal wie gut die einzelnen Fragen gemeint sind. Zwei bis drei gezielte Fragen wirken als Filter. Zehn Fragen wirken wie ein Antrag. Dasselbe Prinzip kenne ich vom Schreiben von Newsletter Betreffzeilen: Es geht nicht darum, möglichst viele Menschen zu erreichen, sondern genau die, die wirklich etwas verändern wollen.

Wer die Fragen beantwortet, obwohl es ein paar Minuten mehr Aufwand bedeutet, hat sich in der Regel schon selbst sortiert. Diese Menschen fühlen sich ernst genommen, nicht abgefertigt. Und wer abspringt, weil ihm zwei Fragen zu viel waren, wäre im Coaching vermutlich ohnehin an der ersten Selbstreflexion hängengeblieben.

Nahaufnahme einer Hand an der Computermaus beim Kunden-Onboarding für ein Coaching-Erstgespräch, in warmem Abendlicht.

Ghosting nach dem Erstgespräch ist bei mir inzwischen selten, weil die Entscheidung schon beim Ausfüllen des Formulars beginnt – nicht erst im Zoom-Call. Das ist schon der erste Schritt des Coachings, noch bevor wir uns überhaupt sehen.

Von meiner Liste ist damit nur ein einziger Punkt gestrichen. Als Nächstes stehen eine schärfere Überschrift für die Startseite, ein Platz für Kundenstimmen, und die Frage, ob meine Über-mich-Seite inzwischen nach mir klingt oder immer noch nach der falschen Vorlage. Dazwischen liegen eine verständlichere Formulierung für mein Freebie, ein ehrlicher Blick auf die SEO-Grundlagen, damit mich in München überhaupt jemand findet, und eine Kurzvita, die ich gerade für einen Podcast-Auftritt wieder umschreibe. Ein KI-Tool hilft mir inzwischen, aus einem wirren Rohtext wenigstens eine erste Fassung zu bekommen. Den Feinschliff und die Entscheidung, was richtig klingt, übernimmt es trotzdem nicht. Offen bleiben außerdem mein eigentliches Alleinstellungsmerkmal, die Frage, wie viel Storytelling meine Texte überhaupt vertragen, welche Werte auf der Seite sichtbar werden sollen, und worüber der nächste Blogartikel handeln soll. Eine Checkliste, mit der ich einmal Seite für Seite durch die ganze Website gehe, liegt ebenfalls noch unbearbeitet im selben Ordner wie die PAS-Methode, mit der ich meine Angebotsseite eigentlich schärfer schreiben wollte.

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