
Es war spät am Abend, mein siebenjähriger Sohn schlief endlich, und ich starrte auf einen einzigen Satz auf meiner Jimdo-Seite. Drei verschachtelte Nebensätze, die die bewusste Zwerchfellatmung erklären sollten. Das Ganze klang wie eine verstaubte medizinische Habilitationsschrift statt einer herzlichen Einladung zum Coaching.
Ich ertappe mich immer wieder beim gleichen Muster: Sobald ich versuche, auf meiner Webseite besonders kompetent zu wirken, verstecke ich mich hinter Substantivierungen. Statt zu schreiben, was wir auf der Matte tatsächlich tun, fabuliere ich über »die gezielte Implementierung von Atemregulationstechniken zur Reduktion vegetativer Stressreaktionen«.
Wenn ich so etwas laut zu einer Klientin auf der Matte sagen würde, würde sie aufstehen und rückwärts zur Tür hinausgehen. Niemand redet so. Aber auf dem Bildschirm, allein am Schreibtisch in München, schleicht sich genau dieser Tonfall ein – aus purer Angst, zu banal oder unprofessionell zu wirken.
Das Dilemma zwischen Beamtendeutsch und Kinderbuchsprache

Als ich vor ein paar Jahren nach sechs Jahren Mundpropaganda endlich eine Website brauchte – weil eine Lokalzeitung über meinen Kurs berichten und mich verlinken wollte – war meine größte Hürde nicht die Technik. Es war das Formulieren. Wochenlang habe ich an jedem Halbsatz herumgefeilt. Später probierte ich gängige KI-Assistenten aus, aber die machten alles nur noch schlimmer: Plötzlich klang meine Über-mich-Seite wie die Werbebroschüre einer kalifornischen Marketingagentur, voller »Gamechanger« und marktschreierischer Heilsversprechen.
Ende Februar stieß ich dann auf Lexosophie, als ich nach einem Werkzeug suchte, das die deutsche Sprache wirklich versteht. Ein echtes Problem bei vielen generischen Schreibassistenten ist nämlich, dass sie für englische Syntax gebaut wurden. Deutsche Sätze haben aber ganz eigene Tücken: trennbare Verben, Schachtelsätze und vor allem den berüchtigten Nominalstil. In der Sprachwissenschaft gilt die Häufung von Endungen auf -ung, -heit oder -keit seit jeher als verlässlicher Killer jeder lebendigen Sprache.
An einem regnerischen Sonntagnachmittag im April kopierte ich meinen Entwurf für die Angebotsseite in das Tool. Neben mir stand die längst erkaltete Tasse Kräutertee, die ich völlig vergessen hatte, während ich auf dem Papierausdruck vier aufeinanderfolgende Wörter mit der Endung »-ung« gelb anstrich: Entspannung, Regulierung, Wahrnehmung, Aktivierung. Es war ein einziges Begriffs-Dickicht.
Was Lexosophie sichtbar macht (und warum das wehtut)
Lexosophie wirft dir nicht einfach einen umformulierten Marketing-Text vor die Füße. Genau das schätze ich daran. Stattdessen analysiert es die Struktur deiner eigenen Sätze und zeigt dir schonungslos, wo der Text stolpert. Auf dem Bildschirm leuchteten meine Monstersätze rot auf. Dazu gab es eine Auswertung auf der bekannten Flesch-Reading-Ease-Skala, die von 0 bis 100 reicht. Mein damaliger Entwurf dümpelte irgendwo bei einem Wert um die 35 herum – akademisches Niveau, für eine Webseite völlig ungeeignet.
Webseitenbesucher lesen nämlich nicht wie in einem Roman von vorne nach hinten. Sie scannen Bildschirme im typischen F-Muster: zwei horizontale Blicke über die ersten Zeilen, dann ein schneller vertikaler Drift nach unten. Wenn da ein Satz mit 38 Wörtern und drei Einschüben im Weg steht, schaltet das Gehirn ab. Der Standard nach dem Hamburger Verständlichkeitsmodell empfiehlt für gut lesbare Online-Texte eine durchschnittliche Satzlänge von rund 15 bis 20 Wörtern. Mein Zwerchfell-Satz sprengte diese Richtlinie mühelos um das Doppelte.
Doch beim Kürzen und Vereinfachen lauerte plötzlich eine ganz andere Falle, in die ich zunächst blind hineintappte.
Die Falle der Über-Vereinfachung: Warum zu flache Texte Kunden abschrecken

Hier liegt eine Erkenntnis, die mir monatelang niemand gesagt hat und die in fast allen Copywriting-Ratgebern verschwiegen wird: Die ständige Vereinfachung deiner Webseite macht deine Texte nicht automatisch besser. Wenn du jeden Satz bis auf die Knochen reduzierst und jede Tiefe tilgst, entwertest du am Ende deine eigene Expertise. Ein Text, der nur noch aus Fünf-Wort-Sätzen im Stile von »Atme tief. Spüre Ruhe. Finde zu dir.« besteht, klingt wie ein Malbuch für Vorschulkinder.
Gerade anspruchsvolle Klienten – bei mir sind es oft gestresste Führungskräfte, Ärztinnen oder Menschen mit chronischer Erschöpfung – suchen fundierte Hilfe. Eine zu flache, banale Tonalität weckt bei ihnen sofort Misstrauen. Sie wollen spüren, dass du weißt, wovon du sprichst. Sie wollen Substanz, anatomisches Verständnis und Erfahrung lesen – nur eben ohne akademische Arroganz verpackt.
Es geht also beim Umschreiben mit Lexosophie nicht darum, deinen Text auf Grundschulniveau zu stutzen. Es geht darum, gedankliche Knoten zu lösen. Wenn du eine komplexe Methode beschreibst – wie ich es auch im Beitrag darüber, wie man seine Dienstleistung beschreiben auf der Website sollte, thematisiert habe –, musst du den Sachverhalt präzise halten, aber die grammatikalischen Umwege streichen.
Aus meinem 38-Wort-Ungetüm wurden schließlich zwei klare Gedanken:
- Vorher: »Die zielgerichtete Wiedererlernung der physiologisch korrekten Bauchatmung bewirkt eine nachweisbare Entlastung des Nervensystems, welche sich insbesondere bei beruflich bedingten Überlastungserscheinungen als wirksame Interventionsmaßnahme erweist.«
- Nachher: »Wenn wir die tiefe Bauchatmung reaktivieren, signalisiert das deinem Nervensystem sofort Sicherheit. Das ist keine Wellness-Floskel, sondern pure Biologie – und genau das, was dein Körper nach zehn Stunden Dauerspannung im Büro braucht.«
Beide Sätze behalten die fachliche Tiefe. Aber beim Lesen zieht sich nicht mehr der Brustkorb zusammen. Es fühlte sich an wie ein tiefer, befreiender Atemzug.
Meine 3-Schritte-Routine beim Texte überarbeiten
Nach etwa drei Wochen des Ausprobierens hatte sich bei mir ein Rhythmus eingespielt, der mir bis heute enorm viel Kopfzerbrechen erspart. Wenn du als Solopreneurin deine Texte selbst verfasst, kennst du vermutlich das Gefühl, in einer Endlosschleife aus Korrekturen festzustecken. Um dem zu entkommen, nutze ich heute ein festes Vorgehen:
1. Rohfassung ohne Zensur runterschreiben: Ich schreibe den ersten Entwurf komplett ungefiltert in ein einfaches Dokument. Kein Tool, kein Nachdenken über Wortwiederholungen. Einfach raus mit den Gedanken, so wie ich es einer Freundin bei einem Kaffee erzählen würde.
2. Strukturanalyse mit Lexosophie: Erst im zweiten Schritt kopiere ich den Text hinein. Ich prüfe systematisch: Wo stecken Schachtelsätze mit mehr als 20 Wörtern? Welche Passivkonstruktionen lassen sich in ein aktives Verb verwandeln? Wo habe ich mich hinter bürokratischem Fachjargon verschanzt, weil mir im ersten Moment die einfachen Worte fehlten? Wer hier strukturiert vorgehen möchte, kann auch auf bewährte Frameworks setzen – dazu habe ich mir einmal genauer angeschaut, wie die PAS Methode für Coaching-Texte dabei helfen kann, den roten Faden nicht zu verlieren.
3. Der Lautlese-Test auf der Yogamatte: Bevor ich den überarbeiteten Text in Jimdo einfüge und auf »Veröffentlichen« klicke, lese ich ihn mir selbst laut vor. Wenn ich an einer Stelle stolpere, nach Luft schnappen muss oder mir eine Formulierung peinlich ist, wird sie radikal gestrichen. Wenn du merkst, dass du dich beim Feilen immer wieder im Kreis drehst, helfen oft auch einfache Strategien, um deine Website Entwürfe endlich fertigzustellen, statt monatelang an derselben Überschrift zu verzweifeln.
Klarheit ist eine Erleichterung für beide Seiten
Eine gute Website zu schreiben bedeutet nicht, sich als jemand auszugeben, der man nicht ist. Man braucht dafür weder ein Diplom in Werbetexten noch ein Budget von mehreren tausend Euro für eine Agentur. Was man braucht, ist der Mut, ehrlich zu klingen – und ein Werkzeug, das einem den Spiegel vorhält, wenn man vor lauter Fachwissen wieder ins Dozieren gerät.
Seit meine Sätze klarer sind, bekomme ich vor Erstgesprächen ganz andere Anfragen. Die Leute schreiben nicht mehr: »Ich interessiere mich unverbindlich für Ihr physiologisches Angebot«, sondern: »Ich habe mich in deinem Text auf der Webseite sofort wiedererkannt.« Und genau darum geht es doch am Ende.