
Meine erste Startseite und meine jetzige haben genau ein Wort gemeinsam: München. Alles andere ist raus – die Sätze, die jede zweite Coaching-Website in Bayern genauso hätte schreiben können, und der verzweifelte Versuch, mit lokalem Marketing für München gleichzeitig alle 1,5 Millionen Menschen der Stadt zu erreichen. Als selbstständig arbeitende Coachin ohne Marketing-Hintergrund habe ich lange gebraucht, um zu merken: Gute Website-Texte für regionale Kunden brauchen nicht mehr Stadtname, sondern mehr echte Stimme. Manche nennen das heute authentisches Copywriting – für mich war es am Anfang einfach nur der Moment, in dem ich aufgehört habe, wie ein Prospekt zu klingen.
Sechs Jahre lang lief mein Coaching-Business rein über Mundpropaganda. Das änderte sich, als eine Lokalzeitung über Atemarbeit in München schreiben wollte und nach einem Link fragte – und ich hatte keinen. Also baute ich an einem Wochenende eine Website. Was ich nicht ahnte: Die eigentliche Arbeit fing danach erst an.
Warum macht der Stadtname allein noch keine guten Website-Texte?
Mein erster Impuls war, München in jede zweite Zeile zu quetschen. „Yoga in München-Giesing", „Atemcoach für München", „Entspannung in der bayerischen Landeshauptstadt" – ich hielt das für schlaues Marketing. Laut vorgelesen klang es hohl. München hat 25 Stadtbezirke, und wer versucht, sie alle gleichzeitig anzusprechen, erreicht am Ende niemanden richtig.

Katrin, eine Freundin aus einem Atemarbeit-Retreat, meinte mal, meine erste Version habe geklungen, „als hätte ein Reisebüro sie geschrieben". Sie selbst schreibt eher blumig und poetisch, wenn sie über ihre eigene Praxis spricht – das genaue Gegenteil von dem klaren Ton, den eine Website eigentlich braucht. Aber ihr Kommentar saß. Ich hatte München wie Deko benutzt, nicht wie einen echten Ort.
Die Vorlage einer befreundeten Yogalehrerin
Bevor ich das kapiert habe, habe ich etwas ausprobiert, das komplett danebenging: Ich habe den Flyer-Text einer befreundeten Yogalehrerin als Vorlage für meine eigene Website genommen. Bei ihr funktionierte der Flyer wunderbar, also dachte ich, ich könnte den Ton einfach übernehmen und ein paar Wörter austauschen. Das Ergebnis klang wie sie – nicht wie ich. Leute aus meinem eigenen Netzwerk fragten mich danach, ob ich die Praxis gewechselt hätte, weil der Text so gar nicht nach mir klang.
Ein Texter oder eine Texterin hätte mir vermutlich geholfen. Aber die Preise lagen weit über dem, was ich mir als Solopreneurin einfach mal so leisten konnte. Also blieb ich bei meinen eigenen Entwürfen – und daran, sie Satz für Satz eigenständiger zu machen.
Am Flaucher wird die Zielgruppe zu einem Gesicht
Was mir wirklich weitergeholfen hat, war eine simple Übung: Ich habe aufgehört, an „meine Zielgruppe" zu denken, und stattdessen an eine einzelne Person. Am Flaucher, wo ich hingehe, wenn eine Coaching-Woche zu voll war, habe ich mir oft genau vorgestellt, mit wem ich dort spazieren gehen würde, wenn ich über meine Arbeit spreche. Diese Art der Zielgruppen-Ansprache – eine Person statt einer Statistik – hat meine Texte mehr verändert als jede Vorlage.
Marion Schwarz, eine Yogalehrerin aus Düsseldorf aus unserer Facebook-Gruppe für selbstständige Coaches, traut sich in ihren eigenen Texten deutlich mehr als die meisten dort – ungewöhnliche Sätze, ausprobierte Bilder, keine Angst vor Ecken und Kanten. Von ihr habe ich gelernt, dass die Person am Flaucher wichtiger ist als der perfekte Satzbau.
Finde deinen eigenen Ton, bevor du die Überschrift polierst
Der Wendepunkt kam, als ich anfing, meine eigenen Werte in die Texte einzuweben, statt so zu tun, als wäre ich eine neutrale Coaching-Instanz. Ich schreibe seit drei Jahren an meinen eigenen Texten herum, und erst in dieser Zeit habe ich gemerkt: Über Stressmanagement-Methoden zu schreiben fühlt sich fremd an. Über den verspannten Nacken nach einem langen Bürotag zu schreiben – und wie befreiend der erste tiefe Atemzug danach ist – fühlt sich nach mir an.
Wenn du deine Eigene Werte auf der Website beschreiben willst, dann übernimm nicht die Formulierungen aus einem Ratgeber. Frag dich lieber: Was würde ich einer Freundin bei einem Spaziergang erzählen? Genau dieser Ton gehört auf die Startseite. Das ist im Kern das einzige Storytelling, das regionale Kunden wirklich brauchen – eine echte Szene aus deinem Alltag statt einer erfundenen Marketing-Geschichte.

Neben mir auf dem Schreibtisch, den ich von meiner Mutter übernommen habe, stapeln sich bunte Zettel mit halbfertigen Sätzen. Der Geruch von kalt gewordenem Kaffee gehört mittlerweile fast so selbstverständlich zum Schreiben dazu wie das Fenster zum Innenhof, durch das ich starre, wenn mir nichts einfällt. Kein Marketing-Profi würde so arbeiten. Ich schon.
Was googeln Kundinnen wirklich, wenn sie ihr Viertel eingeben?
Lokale Kunden suchen oft nach ihrem eigenen Stadtteil – wer in Haidhausen wohnt, tippt vielleicht „Yoga Haidhausen", wer in Sendling wohnt, etwas Ähnliches für Sendling. Die SEO-Grundlagen dahinter sind kein Hexenwerk: Der Suchbegriff muss einmal ehrlich vorkommen, nicht in jedem zweiten Satz. Wichtiger als die Wiederholung ist, was danach kommt – eine echte Beobachtung aus dem Alltag hier, kein generischer Füllsatz.
Meine Über-mich-Seite ist bis heute nicht perfekt strukturiert, und ich überarbeite sie regelmäßig neu. Aber sie beantwortet wenigstens die Frage, die zählt: Warum mache ich das, was ich tue, genau in dieser Stadt?
Der Unterschied, der erst in Woche sieben sichtbar wurde
In der siebten Woche nach der letzten großen Überarbeitung öffnete ich die Seite zufällig unterwegs auf dem Handy und scrollte durch meinen eigenen Text, und für einen Moment las er sich wie ein Gespräch, das ich gerade wirklich geführt hatte, nicht wie etwas, das ich getippt hatte. Kein großes Aha-Erlebnis, eher eine leise Erleichterung.
Wenn du eine Kurzvita für Coaches schreiben musst, gilt dieselbe Regel: Dein Bezug zu dieser Stadt zählt mehr als jedes Schlagwort. Vergiss das klassische Keyword-Stuffing mit „Coach München" in jedem zweiten Satz – es geht nicht darum, für 1,5 Millionen Menschen sichtbar zu sein, sondern für die zehn richtigen in deinem Viertel die erste Wahl zu sein.
Meine Newsletter-Entwürfe werden immer noch nicht weniger, und ich überdenke immer noch jede Überschrift zweimal. Aber die eine Lektion, die geblieben ist: Schreib so, wie du mit jemandem am Flaucher reden würdest, nicht so, wie du glaubst, dass eine Coaching-Website klingen muss. Der Rest ergibt sich.